Reittherapie Brigitte Schmidt
 
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Magazin Findefuchs 4/2001

Pferde als Therapeuten

Text von Nicole Kemper


Maurice kennt die Bedeutung des Wortes Therapie nicht, er weiß nichts von Hyperaktivität bei Kindern, von körperlichen oder geistigen Behinderungen. Er kann weder lesen noch schreiben. Dennoch arbeitet er als Therapeut und macht seine Sache richtig gut. Er hört sich alle Sorgen und Nöte an, die ihm in die langen Ohren geflüstert werden, er ist freundlich, stark, warm und kuschelig: Maurice ist ein Welsh-Pony, das zusammen mit weiteren fünf Ponys, drei Pferden und einem Fohlen auf dem "Ponyhof im Buslergarten" in Bleichheim lebt und arbeitet.

Seine Partnerin in der therapeutischen Arbeit ist die Reitlehrerin und -Therapeutin Brigitte Schmidt. Im Auftrag des "Fördervereins Europäische Jugendfreizeit- und Bildungsstätte Bleichtal e. V." führt Brigitte Schmidt Kinder ab zwei Jahren behutsam in die Welt der großen Tiere ein.

Ihre Schützlinge kommen aus verschiedenen Gründen: Die Jüngste mit zwei Jahren ist vor allem pferdeversessen und stärkt beim Reiten Körpergefühl und Selbstvertrauen. Andere kleine Besucher kommen mit handfesten Problemen, mit Lernschwierigkeiten, Aufmerksamkeitsdefiziten, hyperkinetischen Störungen.
"Das Pferd ist ein optimaler Therapiebegleiter", erläutert die Therapeutin, "es hilft den Kindern, Selbstvertrauen zu entwickeln. Es ist ein Lebewesen zum Schmusen, es vermittelt Geborgenheit und Getragen werden."

Die Therapie mit dem Pferd fängt nicht im Sattel an, sondern auf dem Boden. Striegeln, Streicheln, Fühlen, Riechen, damit beginnt die Kontaktaufnahme mit dem fremden Wesen. Auf dem Pferderücken sind unruhige, zappelige Kinder wie ausgewechselt. Die Welt von "da oben" sieht ganz anders aus, eine willkommene Aufforderung, die Umgebung aus einer anderen Perspektive intensiv wahrzunehmen. Auch die Bewegung des Pferdes verlangt besondere Aufmerksamkeit, ein Mitgehen mit dem eigenen Körper, um sich den Schrittfolgen anzupassen und Balance zu halten. Motorik und Sensorik des Kindes werden dadurch geschult. Neben den Bewegungsimpulsen ist ein hoher emotionaler Faktor im Spiel. Der vierbeinige Therapeut mit Fell und dem dicken, runden Rücken vermittelt Sicherheit und ein Stück Geborgenheit.

Kinder, denen es schwer fällt, ihr eigenes Tun mit den Reaktionen der Umwelt zu verknüpfen, können im Pferd ein Spiegelbild und Regulativ für ihre Handlungsmuster finden. Tiere haben eine eigene Körpersprache. Die Therapeutin wird hier zur Vermittlerin, sie erklärt dem Kind, wie das Pferd Unmut, Angst, Neugier äußert. Zurechtweisungen würden wahrscheinlich nur Widerstand und Trotz auslösen. "Lass das!" und "Das darfst du nicht", das hören diese Kinder viel zu oft. Ganz anders wirkt es, wenn das Kind dies unmittelbar erlebt: Aha, so reagiert das Pferd, wenn ich es erschrecke, weil ich zu laut bin. So sieht es aus, wenn es sich über den angebotenen Apfel freut. Das Kind kann Rückschlüsse ziehen, die ihm helfen können, sein Tun zu regulieren. Gleichzeitig wird die Therapeutin versuchen, Gefühle zu verbalisieren. Wie ist das eigentlich bei mir, wenn ich Angst habe? Grummelt mein Magen? Krieg ich Bauchweh? Sind meine Beine wackelig? Wie zeige ich meine Freude?

Therapeutisches Reiten ist eine Therapie, die wirkt, ohne dass das Kind merkt, dass es therapiert wird. Mit einem vierbeinigen Partner, der hilft, ohne zu wissen, dass er ein Therapeut ist.